Pressemitteilung
Nordische Ski-WM 2031 in Oberstdorf: Große Versprechen, viele offene Fragen und erhebliche Risiken
Die Bewerbung Oberstdorfs um die Austragung der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2031 wirft aus Sicht der ÖDP/Unabhängige Bürger (UB) erhebliche Fragen auf. Während die Befürworter mit internationaler Aufmerksamkeit und wirtschaftlichen Impulsen argumentieren, zeigen die Erfahrungen mit vergleichbaren Sportgroßveranstaltungen ein deutlich differenzierteres Bild – insbesondere für die Tourismusregion Oberallgäu und den Austragungsort Oberstdorf.
Foto: ÖDP Oberallgäu
Statt einer nachhaltigen Wertschöpfung kommt es erfahrungsgemäß zu temporärem Overtourism. Großveranstaltungen wie eine Nordische Ski-WM führen nicht zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Wertschöpfung im Ort. Im Gegenteil: In der Zeit der Veranstaltung kommt es häufig zu einer Art Overtourism-Syndrom. Stammgäste und qualitätsorientierte Urlauber meiden den Ort bewusst und weichen auf andere Destinationen aus – nicht selten kehren sie dauerhaft nicht mehr zurück. Die kurzfristige Auslastung ersetzt somit die langfristige Gästebindung.
Hinzu kommt, dass die Bettenkapazitäten in Oberstdorf zur fraglichen Jahreszeit ohnehin bereits gut ausgelastet sind. Zusätzliche Sportler, Funktionäre und Medienvertreter führen daher nicht automatisch zu mehr regionaler Wertschöpfung, sondern verdrängen bestehende Gästestrukturen.
Besonders problematisch ist der stark prognostizierte Tagesausflugverkehr. Viele Besucherinnen und Besucher reisen lediglich für einzelne Wettkämpfe an, überwiegend mit dem Individualverkehr. Diese zusätzliche Verkehrsbelastung steht im klaren Widerspruch zu den dringend notwendigen Klimaschutzzielen. Der motorisierte Individualverkehr ist einer der zentralen Treiber der Klimakrise und belastet Umwelt, Infrastruktur und die Lebensqualität der Bevölkerung vor Ort erheblich.
Klimaschutz und Sponsoring: ein eklatanter Widerspruch. Mit großer Sorge betrachten wir zudem die zunehmende Kritik an der Rolle von Öl- und Gaskonzernen im Wintersport. Die neu entstandene Petition „Ski Fossil Free“ fordert ein Umdenken im Skisport und das Ende der Werbung durch fossile Energiekonzerne. Gerade in Oberstdorf wird dieser Widerspruch besonders deutlich: Die Skisprungschanze wird von einem Ölkonzern beworben, der zu den Hauptverursachern der globalen Klimakrise zählt. Ein solcher Sponsor steht im klaren Gegensatz zu einem glaubwürdigen, nachhaltigen Wintersport.
Ein zentraler Kritikpunkt an der nordischen Ski-WM 2031 ist die Abhängigkeit von Kunstschnee. Aufgrund des Klimawandels könnte im Talboden kein Naturschnee liegen, was die Beschneiung erforderlich macht. Gleichzeitig sorgt die zunehmende Wasserknappheit gerade im Winter dafür, dass nicht sicher ist, ob genügend Wasser für die Schneeerzeugung vorhanden ist. Zudem ist fraglich, ob der künstlich erzeugte Schnee bei frühlingshaften Temperaturen bis zu den Veranstaltungstagen liegen bleibt, oder ob ständiges Nachbeschneien notwendig wird.
Weitere Kritikpunkte betreffen die baulichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Teile der bestehenden und geplanten Anlagen liegen in oder grenzen an sensible Naturschutzgebiete. Gleichzeitig ist völlig unklar, welche zusätzlichen Baumaßnahmen im Zuge der WM notwendig werden und welche ökologischen Folgen diese nach sich ziehen werden. Ebenso offen ist die Frage der Finanzierung: Wer trägt am Ende die Kosten für Infrastruktur, Sicherheitskonzepte, Verkehrslenkung und mögliche Defizite? Werden bestehende regionale Werbeflächen und Bandenwerbungen erhalten bleiben oder durch internationale Sponsoren ersetzt? Welche Rolle spielen regionale Lebensmittel und lokale Betriebe bei der Versorgung, oder profitieren am Ende vor allem externe Großanbieter?
All diese Fragen sind bislang unbeantwortet. Eine Bewerbung ohne Klarheit ist ein Risiko für Kommune und Bevölkerung. Trotz dieser massiven Unsicherheiten bewirbt sich Oberstdorf bereits um die Austragung der Nordischen Ski-WM 2031, was aus Sicht der ÖDP/Unabhängige Bürger unverantwortlich ist. Solange die ökologischen Auswirkungen, die finanzielle Gesamtverantwortung und die tatsächlichen wirtschaftlichen Effekte nicht transparent und verbindlich geklärt sind, darf es kein „Weiter so“ geben. Großveranstaltungen dürfen nicht auf Kosten von Klima, Natur, Lebensqualität und kommunalen Haushalten stattfinden. Oberstdorf und die Region brauchen eine zukunftsfähige Tourismusstrategie statt einer risikoreichen Prestigeveranstaltung mit ungewissem Ausgang.
